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Dieses Thema hat 65 Antworten
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 Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition
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DunsScotus Offline




Beiträge: 80

07.04.2005 01:11
#46 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Nabend,

Nach der Metaphysik kommt die Metaphysik.

Was ist bloß los mit den Philosophen?... Wenn ich es mit dem linken (oder rechten Ohr?) richtig vernommen habe, stellt auch Habermas sich in letzter Zeit die Frage ob die Demokratien westlicher Prägung ihre Werte so vollkommen ohne religiöse (letzlich christliche) Fundamente generieren und ob nicht dieser Fundus seit der Aufklärung stetig verdeckt im "inneren Maschinenraum" säkularer Gesellschaften am Werke war und ist.

Da gab es doch vor einigen Monaten diese Diskussion zwischen Habermas und Joseph Kardinal Ratzinger, seines Zeichens Chefinquisitor des Vatikan und Wächter über die Dogmen die der unfehlbare Papst ex cadedra erlässt. Jener Ratzinger, der zur Zeit die führerlose katholische Kirche führt vermeinte dereinst, die liberale Gesellschaft sei ein hochgefährlicher Aberglaube, weil sie, gewachsen auf dem Boden der Aufklärung, die Adäquatio zwischen Glauben und Wissen jäh entzweit habe. Nun, ich glaube man erkennt auch Heute noch den rechten Kirchenmann daran, das man ihm den kleinen Finger bietet und er nimmt sich die ganze Hand.

Habermas, der negiert das es notwendige vorpolitische Substrate geben müsse an denen sich der Legitimitätsbedarf des Verfassungsstaates nähre, gestand doch zu, dass es notwendig individuelle Tugenden gebe, die sich aus religiösen Grundüberzeugungen ergäben. Für mich klingt das alles nach Rückzugsgefecht und danach die neue Suppe mit alten Rezepten wieder schmackhaft zu machen. Salopp; ein wenig Religion kann nicht schaden. Gegen Greg Venter und Wolf Singer und George W. Bush helfen halt nur die alten Besen weil die gut kehren.

Wie Habermas jetzt wohl lebt, mit nur einer Hand?

in consternation
Duns

DunsScotus Offline




Beiträge: 80

08.04.2005 12:36
#47 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Der Papst ist tot, es lebe die Religion

ich schaue soeben, via TV auf den Petersplatz in Rom. Eine Laiche wird besungen. Massen in Verzückung. Ein Helicopter zeigt die klassische Dreiteilung der mittelalterlichen Gesellschaft, Klerus, Adel (Polit-Adel), und das gemeine Volk, alle zusammen in absoluter Geometrie, konzentriert auf das Zentrum der Welt, das ewige Rom. George Bush, Senior und Junior erweisen dem "alten Europa" ihre Referenz. Es ist klar, der jüngere der beiden sieht in diesem "alten Europa" das neue. Lag nicht der Capitol Hill immer schon in Rom? In den Medien diskutieren seit einer Woche Atheisten und Christen über den Wert der Religion und die Gefahren der Aufklärung. Über den Event-Charakter des heiligen Hokus-Pokus fließt die religiöse Inbrunst in die trocken gelegten Auen der Aufklärung zurück. Das Lebenswerk des Verstorbenen wird besprochen und man wundert sich, wie aus einem erzkonservativen Katholiken, der Bezwinger des Kommunismus wird. Selbst Frauen beginnen zu verstehen wie die Dogmatik der unbefleckten Empfängnis und ihre eigene Unfähigkeit zum Priesteramt sich durch tiefere und tiefste theologische Interpretation der Vernunft erschließt. Letzlich hat die katholische Kirche "bereits" 1966 Immanuel Kant vom Index genommen. Langsam finden wir zu der Erkenntnis, das die Mandarine des Vatikan den weiblichen Körper doch grundlegender verstanden haben als andere und erst recht als Frauen selbst. Wen wunderts, das man ihnen jetzt die Entscheidungskompetenz in Fragen der Abtreibung nicht mehr länger abstreiten kann? Auch Extremsportler bekommen den Eindruck vermittelt, das der Zölibat erst recht der letzte Kick ist und besser als jeder Sprung vom höchsten Turm. Ohnehin war Empfängnisverhütung eher etwas für Feiglinge. Jetzt erscheint die Forderung nach Repräsentanz der christlichen Grundwerte in der Europäischen Verfassung im rechten Licht. Man könnte ja auch noch präziser werden und betonen das Homosexuelle in Sünde leben und geschiedene Männer und Frauen kein öffentliches Amt bekleiden sollten.

BlueHorizon Offline




Beiträge: 80

09.04.2005 07:16
#48 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Hi Duns

It´s a bit strange when you wrote

In Antwort auf:

Das Lebenswerk des Verstorbenen wird besprochen und man wundert sich, wie aus einem erzkonservativen Katholiken, der Bezwinger des Kommunismus wird. Selbst Frauen beginnen zu verstehen wie die Dogmatik der unbefleckten Empfängnis und ihre eigene Unfähigkeit zum Priesteramt sich durch tiefere und tiefste theologische Interpretation der Vernunft erschließt. Letzlich hat die katholische Kirche "bereits" 1966 Immanuel Kant vom Index genommen. Langsam finden wir zu der Erkenntnis, das die Mandarine des Vatikan den weiblichen Körper doch grundlegender verstanden haben als andere und erst recht als Frauen selbst. Wen wunderts, das man ihnen jetzt die Entscheidungskompetenz in Fragen der Abtreibung nicht mehr länger abstreiten kann?

The Pope did support solidarnosc!!! Without him Lech Walechsa wouldn´t had any chance to rebuild democratical change from within. One shouldn´t concentrate too much on how our TV shows - esp. that "lousy" comments on CNN did make it a big event lol. It´s pretty obvious at least for roman catholics all over the world to mourn the death of their greatest spiritual leader. The mourning of the Pope lasts for nine days. This period is called "Novendiales". The first day of the nine is the day the Pope dies. On each of the days, when a Cardinal holds Mass, it must be a funeral Mass for the Pope. Before the Pope is buried, the public can pay their last respects in St. Peter's Basilica. On the fifth, sixth, or seventh day, there is a solemn funeral in the St. Peter's Basilica, celebrated by the Cardinals and the Dean of the College of Cardinals. The Pope is buried in the Crypt of St. Peter's Basilica, and the mourning of his death continues for the remainder of the nine days.


Well ,I´m agnostic but I respect everyone for his or her beliefs

regards

Blue

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The existence of truth only becomes an issue when another sort of truth is in question. (R.Rorty)

NietzscheIsDead Offline




Beiträge: 119

09.04.2005 13:02
#49 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten


Dearest Temp

In Antwort auf:

Vielleicht sollte man den Anspruch aufgeben, liberale Gerechtigkeitsprinzipien rechtfertigen zu können. Die liberalen Konzeptionen von Gerechtigkeit sind keine "freischwebende" Auffassung; sie basieren auf einer spezifischen Vorstellung vom guten Leben.
Angemessene Gerechtigkeitsprinzipien lassen sich nur in demokratischen Verfahren und öffentlichen Diskussionen ermitteln. Philosophen genießen in diesem Verständigungsprozeß keine Privilegien. Die von ihnen erfundene Moral kann den Meinungsstreit nicht entscheiden. Sie darf nicht, gestützt auf das Verfahren ihrer Erzeugung, mit einem Anspruch auf objektive Wahrheit auftreten, sondern sich nur als eine Meinung unter anderen präsentieren. "(...) Philosophers have no special rights in the political community. In the world of opinion, truth is indeed another opinion, and the philosopher is only another opinion-maker" (Walzer 1981, 397) (4).


Hence, according to Habermas, it may be the case that a contemporary set of institutions and norms, because of pragmatic or other reasons, do not adequately express the system of rights. However, this just means that these institutions and norms are not valid. According to Habermas nothing more can be said and as Wittgenstein, admittedly in a different context, proclaims "worüber man nicht reden kann darüber muβ man schweigen". If one says that actions aimed at restoring the balance between rights and norms are morally valid then one leaves the very idea of a discourse ethics. The discourse ethics claims that moral rightness has to be determined within a universal discourse. The supplementation principle, however, claims that it is possible for agents to monologically estimate what is morally right. In this way the Apelian supplementation principle, according to Habermas, becomes too sectarian. Thus, Habermas argues that “Hinter dem einsamen Politiker, der Apel vor Augen steht, verbirgt sich der Philosophenkönig, der die Welt in Ordnung bringen will – jedenfalls nicht der Staatsbürger eines demokratischen Gemeinswesens” (Habermas: 1991: 197). This Habermasian criticism of Apel´s supplementation principle I agree too. The problem, as I see it, does not consist of the claim that it is possible to transcendentally derive an obligation to restore conditions that enable rationally moral discourse. The problem is rather that Apel gives this “obligation” a criteriological interpretation. Hence, he argues that it is possible for certain agents to estimate which norms are morally right. The very attempt to supplement the discourse ethics with a criteriologically interpreted teleological principle is, however, in my opinion misplaced. This does not mean that one cannot be transcendentally obligated to aim at bringing conditions that make an application of universal norms about. It does, however, mean that one should not try to make the supplementation principle into a criteriological principle which can determine when actions and norms are right or wrong. If one tries to this two problems follow. On the one hand one ends up with a paradox – norms can be both moral and immoral; On the other hand the “democratic” universalizability principle gets replaced by a monological principle which metaphorically only the "Philosophenkönig" can make use of.


kotl

NID


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DunsScotus Offline




Beiträge: 80

09.04.2005 13:19
#50 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Hi Blue,

zunächst, ich habe Respekt davor wie Menschen für sich 'Sinn' generieren. Ich bin zwar davon überzeugt, das Menschen dies können, auch ohne das einer von sich behauptet zum Stellvertreter Gottes auf Erden von Gott himself bestellt zu sein. Wenn jemand diese Instanz dennoch benötigt und mit ihr auch diese ganze Institution als Gemeinschaft der Gläubigen, warum auch immer, kann ich das auch tolerieren. Leider bleibt es nicht bei diesem 'für sich' und 'für die Gleichgesinnten'. Es kommt zu einem Absolutheitsanspruch (Jaspers). Der ist in der katholischen Kirche nach wie vor ein zentrales Moment neben einer ganzen Armada dogmatischer Traditionen, die in modernen Zeiten geradezu gefährlich sind. Was diese Dogmatik mit Blick auf das Thema Empfängnisverhütung bedeutet, beispielsweise in Afrika, muss ich nicht lange erläutern. Was diesen nach wie vor bestehende Absolutheitsanspruch angeht, wie verdeckt er auch immer vorgetragen wird, so sehe ich in ihm eine Zeitbombe die mit der Globalisierung scharf gemacht wird. Sehen wir näher hin, ist es exakt dieser Anspruch, der die Globalisierung überhaupt im innersten angetrieben hat.

Sinn generieren, so lesen wir in Sloterdijks 'Sphären I, II, und III', so wie in dem aktuellen Teil-Prolegomenon 'Im Weltinnenraum des Kapitals', zielte stets auf eine höchstmögliche Immunisierung menschlicher Lebensgemeinschaften gegen jede Form des Übels ab, dabei zentral im Hinblick auf thanatologische Traumatisierung. Das Ganze war das Wahre, weil es verhinderte das Mensch und Seele im Nichts verschwinden können. Die Welt ist alles was den Fall verhindert.

Grüße
Duns

TemporarySilent Offline




Beiträge: 231

11.04.2005 03:42
#51 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Dear NID

I am introducing the new audio blogging method - so instead of writing a longer posting related to Habermas
you are able to listen to my answer on

http://www.forum-philosophie.org/Podblogger/index.php


kotc

Temp=)


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DunsScotus Offline




Beiträge: 80

11.04.2005 11:24
#52 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Hallo Ihr,

bin begeistert, jetzt haben wir also die Diffe(a?)renz zwischen Rede und Schrift überbrückt.

Ist es nicht seltsam, dass wir in der Stimme des Anderen so viel mehr "lesen" können als in und durch die Schrift und die Texte? Das die Stimme mehr Kontext für uns bereit hält als jeder Text. Und das uns auf der anderen Seite die eigene Stimme so unendlich fremd ist, so als käme sie von einem anderen Stern, so als würde sie uns die Identität mit uns selbst vorenthalten? Welche Stimme hören wir wenn wir denken und welche Stimme ist es die spricht und erst recht, welche hören wir auf dem Tonband?

Na ja, ich jedenfalls werde mir jetzt noch ein Headset zulegen!

Grüße
Duns

NietzscheIsDead Offline




Beiträge: 119

12.04.2005 00:21
#53 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten


Hello Duns, Blue,Metaphysiker,Nauplios - Dearest Temp

This is the very first time listening to the forum´s voices and music.... I should have done it earlier.Lady, guess you ´re right. The accent tickling my ear is rather British than American.I downloaded the mp3 of your blog and I am completely and utterly overwhelmed - still listening to Nauplios´ and Temp´s voices and music.You are doing great - seems to me we are leaving the shelter of written interaction and turning to voices -leaving the shadows of binary space behind.

Esp. your Habermasian answer is challenging when you were explaining his arguments- a deep and spiritual touch of closeness and ultimate understanding - it nearly brought me into tears ....
I got to get that book on Ethics.

warm regards

NID


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NietzscheIsDead Offline




Beiträge: 119

17.04.2005 18:17
#54 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Problems may arise in translating German texts into English also because the repertoire of possibilities for building up complex words is much more limited in English than it is in German. Where, therefore, a literal translation is possible in the one direction, when translating in the other direction one must also for this reason do violence to the text. The thesis of untranslatability cannot be exclusively a matter of certain simple syntactic differences between English and German however, since in many extra-philosophical fields there obtains a near-perfect equality in ease of translation in either direction. For many technical and commercial purposes there has obtained at least since the 19th century a mutual translatability not only between English and German but indeed between all the world’s major languages, reflecting Thus Hermann Glockner writes in the Introduction to his Hegel-Lexikon (Stuttgart: Frommann, 1935, p. XIII):

‘It is well known that Hegel in many respects speaks his own language and that this language, which one does not at all “understand” without further ado, must be read with the same “philological” dedication that one brings to ancient or medieval philosophy.’

The translation difficulties we are addressing here have, therefore, to do with certain characteristics of English and German philosophy. They turn in part on the fact that Anglo-Saxon and Anglo-Saxon-oriented philosophers have allowed themselves to be more strongly influenced by the just-mentioned developments in the direction of linguistic standardization than have their German counterparts. The most talented Anglo-Saxon philosophers in our own century have indeed sought to distance themselves, step by step, from earlier, more literary associations of their discipline, committing themselves instead (and in different degrees) to the new formal logic and to the regimentation of language and meaning that goes together therewith. Everything that smacks of philology or exegesis, everything that has to do with an aesthetic fascination with language as such,and every inclination to enjoy struggling with difficulties of language for their own sake, has therefore waned, at least in the mainstream of Anglo-Saxon philosophy. Indeed it can paradoxically be asserted that the philosophers of ‘linguistic analysis’ are ex officio allowed to see no special (for example aesthetic) charm in the language with which they deal: the latter is either merely an instrument, or it is a pre-packaged object of investigation.
A German philosopher, in contrast, may unshamefacedly enjoy a living relationship to his own language. He may revel in the possibility of utilizing an idiosyncratic and (from the Anglo- Saxon point of view) wilfully obscure style. Or he may attempt to force language into new and peculiar forms, for example in order to breathe new life into the concepts he wishes to employ, or in order to set loose normally unnoticed etymological powers lying hidden beneath our everyday linguistic forms. Untranslatability may then follow as a matter of course, for example because we are dealing not with utterances having standard meanings but rather with a peculiar sort of etymological word-play, whose constituent jokes have no available correlates in the target language.
Consider, for example, the following passage, selected at random from Sein und Zeit:

Ich Nachhängen hat das Schon-sein-bei . . . den Vorrang. Das Sich-vorweg-imschon-sein-in . . . ist entsprechend modifiziert. Das verfallende Nachhängen offenbart den Hang des Daseins, von der Welt, in der es je ist, “gelebt” zu werden. Der Hang zeigt den Character des Ausseins auf . . . Das Sich-vorweg-sein hat sich verloren in ein “Nur-immer-schon-bei . . .”. Das “Hin-zu” des Hanges ist ein Sichziehenlassen von solchem, dem der Hang nachhängt.
(Sein und Zeit, p. 195; trailing dots in the original.)

The point of this passage ) which is incidentally already
untranslatable into any normally intelligible German ) turns upon a pun on ‘Hang’, which in German means both ‘slope’ and ‘tendency’ (as in `tendency to criminality’). The standard English version reads:

In hankering, Being-already-alongside . . . takes priority. The “ahead-of-itself-in- Being-already-in . . .” is correspondingly modified. Dasein’s hankering as it falls makes manifest its addiction to becoming ‘lived’ by whatever world it is in. This addiction shows the character of Being out for something. Being-ahead-of-oneself
has lost itself in a ‘just-always-already-alongside’.

What one is addicted ‘towards’ to let oneself be drawn by the sort of thing for which the addiction hankers) of which the most that can be said is that it consists, in some degree, of English words.

warm regards

NID


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TemporarySilent Offline




Beiträge: 231

23.04.2005 20:10
#55 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Lieber NID ,

In Antwort auf:
The translation difficulties we are addressing here have, therefore, to do with certain characteristics of English and German philosophy. They turn in part on the fact that Anglo-Saxon and Anglo-Saxon-oriented philosophers have allowed themselves to be more strongly influenced by the just-mentioned developments in the direction of linguistic standardization than have their German counterparts. The most talented Anglo-Saxon philosophers in our own century have indeed sought to distance themselves, step by step, from earlier, more literary associations of their discipline, committing themselves instead (and in different degrees) to the new formal logic and to the regimentation of language and meaning that goes together therewith. Everything that smacks of philology or exegesis, everything that has to do with an aesthetic fascination with language as such,and every inclination to enjoy struggling with difficulties of language for their own sake, has therefore waned, at least in the mainstream of Anglo-Saxon philosophy.

Du schreibst, dass die Übersetzungsschwierigkeiten mit denen wir es hier zu tun haben, an bestimmte Charakteristika der angelsächsischen und dt. Philosophie gebunden sind. Der wesentliche Unterschied beruht deiner Ansicht nach auf einer linguistischen Standardisierung , die die deutsche Philosophie nicht hat.
Du sagst, dass die "talentiertesten" angelsächsischen Vertreter bemüht sind, sich der neuen formalen Logik und dem Regiment der Sprache zu widmen und, dass alles, was (auch nur im entferntesten) mit Philologie oder Exergese zu tun hat, nämlich, es zu genießen [ smile] mit den Schwierigkeiten einer Sprache um ihrer selbst Willen zu kämpfen, abgenommen hat - wenigstens im Mainstream angelsächsischer Philosophie.
Ein beklagenswerter Zustand - eine Sprache ist eine andere Welt mit ihrer ineinander verwobenen Grammatik, Syntax und Semantik - ein völlig anderer Kontinént, der gewiß manche Entdeckungsreise lohnt.
Die komplexesten "Vergnügen" erfordern häufig die größten Anstrengungen.
"Limits do only exist in your mind"

best wishes

Temp=)


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BlueHorizon Offline




Beiträge: 80

05.05.2005 07:50
#56 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten


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Guten Abend

Nach wie vor ist unser Bild von der Welt körperzentriert. Wir betrachten als Realität, was nicht zu einem, sondern zu allen
unseren Sinnen spricht, und wir setzen die Synästhesie ein, um die Einzelwahrnehmungen wechselseitig zu kontrollieren.
Unser Körper fungiert als Ort der Synthesis,als letztes Kriterium, letzte Instanz, sowohl in der naturwissenschaftlichen
Beobachtung,im Labor, als auch in der Alltagsorientierung.Gleichzeitig aber nötigen uns die Zeichen, immer mehr Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, die körperlich nicht zu verifizieren sind, und die dennoch Realitätscharakter beanspruchen.
Wenn Zeichen - immer Post - immer von Entferntem berichten, und kulturelle Wissensbestände verdichtet dem einzelnen zur Verfügung stellen, dann verschiebt sich die Frage nach der Derealisierung auf das Verhältnis der individuellen Wahrnehmung zu den kollektiven Wissensbeständen, mit der Besonderheit eben, daß nur die erstere auf den Körper zentriert ist.

Lieber Gruß

Blue


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_END- TRANSLATION - 05.05.05_08:30______©TemporarySilent_______
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Good evening over there

Our view of the world continues to be body-centred. We view as >reality< that which addresses not just one, but all, of our senses, and we deploy synaesthesia to reciprocally monitor the individual perceptions.Our body functions as a place of synthesis, as the final criterion, final authority, both in scientific observation under laboratory conditions and in everyday orientation. Yet at the same time the signs are forcing us to take notice of ever more facts which are physically unverifiable but nevertheless claim the character of reality. If signs - invariably items of post - always report
on the remote, and place at the individual's disposal compressed items of cultural knowledge, then the question about derealization shifts to the relationship of individual perception to the collective stocks
of knowledge, with the peculiarity that of these two, only the former is centred on the body.

warm regards

Blue
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TemporarySilent Offline




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05.05.2005 08:50
#57 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten


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_START- TRANSLATION - 05.05.05_08:55______©TemporarySilent_______
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Guten Morgen, N.Y. - willkommen zurück, Blue

Diese von dir aufgeworfene Fragestellung ist wiederum aufzuweiten.
Die Rede von den Zeichen und mehr noch den Wissensbeständen ist defizitär, da sie vernachlässigt, daß diese - performativ - unmittelbar praktisch geworden sind. Der Bericht über Entferntes könnte uns herzlich kaltlassen, solange das Entfernte entfernt bliebe und der Horizont unserer Wahrnehmung mit dem Horizont des Relevanten zusammenfiele.
Dies mag allenfalls (idealisiert und mit allen Problemen solcher ldealisierungen ) -in jenen regional begrenzten "einfachen Gesellschaften" der Fall gewesen sein, die Durkheim den "höheren Gesellschaften" der Moderne entgegensetzt.

(Durkheim, Emile: Über soziale Arbeitsteilung.
Studie über die Organisation höherer Gesellschaften. Frankfurt M. 1992, S.492ff ( frz.: 1902).

In einer lokal gebundenen, agrarischen Produktion
kann als irrelevant ausgeschlossen werden, was jenseits
des Horizonts und damit der Wahrnehmung liegt; Wetter und
Kriege, die den Horizont überschreiten, müssen als Quasi-Natur hingenommen werden.

In dem Maße aber, wie die gesellschaftliche Arbeitsteilung und die Komplexität der Praxen zunehmen, wird der geographische Horizont gesprengt, und die technische Entwicklung bringt jene unendliche Fülle zusätzlicher Fakten in die Welt, die uns als "zweite Natur", als Technik, zunehmend umstellen.(Wetware )
Und diese Fakten vor allem sind es (so behaupte ich), die in Widerspruch zu unserer körperlichen Verfaßtheit treten.

best wishes

Temp=)



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_END- TRANSLATION - 05.05.05_09:25______©TemporarySilent_______
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Good morning N.Y. - welcome back, Blue

The question must now be widened again.
This talk of signs, and eben more so of collective knowledge,
is flawed in that it neglects that both have become - performatively - immediately practical.
Were the remote to remain remote, and our perceptual horizon to coincide with the horizon of the relevant,
then we could coldly ignore the report on remote events.
If anywhere at all, this may have held true in those regionally confined "simple societies" that - idealized, and with all the problems such idealization entails - Durkheim pits against the "higher societies" of the ever less appropriate to the body's constitution.

(Durkheim, Emile: The Division of Labor in Society. Transl. New York 1964 (orig. publ. in French in 1902).

In a locally bound agrarian production it is possible to exclude as irrelevant that which lies beyond the horizon and
therefore perception; weather conditions and wars that overstep this horizon must be accepted as quasi-natural.

It is the residue of that first nature which the second is so fanatically determined to overcome, wetware in fact!
And itself assailed by fanatical restructuring attempts doomed to rapid failure in view of the body's inertia.


best wishes

Temp=)

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NietzscheIsDead Offline




Beiträge: 119

05.05.2005 09:58
#58 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten


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_START- TRANSLATION - 05.05.05_10:30______©TemporarySilent_______
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Wach auf, Blue LOL , liebe Temp

In Antwort auf:

Es ist ein Residuum der ersten Natur, welches die zweite auf fanatische Weise zu überwältigen versucht. In der Tat - Wetware( menschlicher Körper)!


Anmerk. von Temp : In der engl. Version meiner Antwort an NID hatte ich den Begriff Wetware eingeführt - dieser entfiel bei der deutschen Fassung des Textes - ich habe ihn durch "körperliche Verfaßtheit" ersetzt: Wetware ist angesiedelt zwischen Hardware und Software. Der Begriff stammt aus dem literarischen Sci-Fi- Genre des Cyberpunks ( vgl. Neuromancer, William Gibson) Der menschliche Körper (die Wetware) interagiert mit der Soft -und Hardware bzw. ist ein Bestandteil des Mensch - Maschine - Interfaces ( Hardware (hart) - Software (weich) - Wetware (nass)). Wetware hat als Terminus die Mediendiskussionen in den Geistes/- Sozialwissenschaften geprägt -----> zurück zu NID ....

Unbestreitbar ist, daß Zeichen tatsächlich anders als Körper funktionieren.
Körper haben einen Ort und bilden um diesen Ort herum ein konzentrisches System von Horizonten aus; dieses System
unterscheidet den Nahraum vom Umraum, und damit relevant von irrelevant. Der gesamte Sinnesapparat ist auf diesen
Raum abgestellt. Die Nahsinne auf den physisch/chemischen Kontakt, das Gehör auf die Schwingungen der Luft und
ihre Dämpfung, und der "Fernsinn" Sehen schließlich auf einen kaum größeren Raum, der sich am optischen Horizont
zwangsläufig schließt.

Zeichen dagegen kennen solche Beschränkungen nicht. Zeichen,
ganz im Gegenteil, kommen immer aus der Ferne.


ttyl Blue
kotl Temp

NID


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_END- TRANSLATION - 05.05.05_11:05______©TemporarySilent_______
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Wake up Blue LOL, dear Temp

In Antwort auf:

It is the residue of that first nature which the second is so fanatically determined to overcome, wetware in fact!

It is indisputable that signs do, in fact, function differently from bodies. Bodies have a place,
and around this location they form a concentric system of horizons; this system distinguishes the
immediate environment from the wider one and, by implication, the relevant from the irrelevant.
The entire sensory apparatus is tuned this immediate environment, the close-range to
physical/chemical contact, the sense of hearing to the vibration and attenuation of air,
and the "long range sense" of sight ultimately to a scarcely greater space which inevitably ends
at the optical horizon.
Signs, by contrast, have no such limitations -
the very point of them is that they always come from far away.

ttyl Blue
kotl Temp

NID


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conTEMPorarily_listening Offline




Beiträge: 4

13.05.2005 22:25
#59 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten


In Antwort auf:

If anywhere at all, this may have held true in those regionally confined "simple societies" that - idealized, and with all the problems such idealization entails - Durkheim pits against the "higher societies" of the ever less appropriate to the body's constitution.

Dear Friends,

On the one hand, the individual gets from society the best part of himself, all that gives him a distinct character and a special place among other beings, his intellectual and moral culture. If we should withdraw from men their language, sciences, arts and moral beliefs, they would drop to the rank of animals. So the characteristic attributes of human nature come from society. But, on the other hand, society exists and lives only in and through individuals.



If we are to see in the efficacy attributed to [religious] rites anything more than the product of a chronic delirium with which humanity has abused itself, we must show that the effect of the cult really is to recreate periodically a moral being upon which we depend as it depends upon us. Now this being does exist: it is society. Howsoever little importance the religious ceremonies may have, they put the group into action; the groups assemble to celebrate them. So their first effect is to bring individuals together, to multiply the relations between them and to make them more intimate with one another.


Con



-THE DREAM OF LASTING PEACE, WORLD CITIZENSHIP AND THE RULE OF INTERNATIONAL MORALITY WILL REMAIN NOTHING BUT A FLEETING ILLUSION, TO BE PERSUED BUT NEVER ATTAINED (B.M.)

NietzscheIsDead Offline




Beiträge: 119

13.05.2005 23:36
#60 RE:Amerikanische Gegenwartsphilosophie und alteuropäische Tradition antworten

Hello Detroit - City of steel mill workers,


Dear Con& Temp, N.Y.´s online tonite


just reading your posting. Welcome to our Forum. So you are interested in Durkheim. Just dropping you a few lines. Guess Temp was introducing you neatly to the forum´s software. The German language tends to be critical to figure out somehow - esp. the FAQ´s. Temp, you are doing great .


By this very fact, the content of their consciousness is changed. On ordinary days, it is utilitarian and individual avocations which take the greater part of the attention. Every one attends to his own personal business; for most men, this primarily consists in satisfying the exigencies of material life, and the principal incentive to economic activity has always been private interest.


ttyl Con
kotl Temp


NID

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