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 RE:"Sakrale Stimmung"

Ihr Lieben,

es geht um Stimmungen, um Rückzüge, um eine pathetische Haltung?
Ich hatte gestern den Chat mitverfolgt, mit Befremdung und dachte wieder an die Ausgangssituation,an
mein Erkenntnisinteresse und an das "Glück" auf Teilnehmer zu treffen, die vermeintlich ähnlich wie ich auf der Suche nach "Wahrheit"/ Erkenntnis oder einem "Wechsel der Perspektiven" sind.Eine Suche nach einer Wirklichkeit mit verwirrender Syntax.


Schaut, wir sind erst seit einem knappen halben Jahr hier.Seitdem wird dieses Forum kritisiert.
Es sei zu "abgehoben" zu "lahmarschig" zu "entemotionalisiert" zu "unpersönlich".Man hat uns vorgeworfen, die Texte, die wir besprechen, seien von toten Männern, es würde die indische und chinesische Philosophie fehlen.
Überhaupt, dass wir uns an Texten entlang hangeln anstatt "selbst zu denken" erscheint vielen als "zu schwer" zu "zeitintensiv".Das stimmt nicht!Aber es spielt auch keine Rolle!
Das einzige,was eine Rolle spielt, ist dies : D G S I

Don´t get sucked in - Laßt euch nicht täuschen!

Laßt euch nicht von falschen Ideen täuschen. Wir sind hier aus ganz egoistischen Gründen. Wir bilden eine
Identität aus! Wir erben sie nicht.Es gibt eine Möglichkeit, aus der Vergangenheit eine eigene Identität zu bilden.
Seht,wenn ihr z.B. Homer´s Ilias als langweilig empfindet oder als eine Verherrlichung des Krieges, dann habt ihr recht.Es ist ein Epos, das in eurem Kopf existiert.Laßt es in eurem Kopf Gestalt annehmen.Ich vertraue euch, dass ihr nicht jemanden in Stücke haut, nachdem ihr die Ilias gelesen habt.
Letztendlich beginnt die westliche Literatur mit einem Streit zwischen zwei arroganten Räubern um die Beute.Zu
Beginn des Gedichts stehen die verschiedenen Stämme der Griechen, die vor den Mauern Trojas versammelt sind (Homer nennt sie Archaier -Griechenland war zu dieser Zeit noch kein Nationalstaat), an der Schwelle einer Katastrophe.Agamemnon, ihr Heerführer,der mächtigste König, hat aus einer nahegelegenen Stadt eine junge Frau entführt und zur Frau genommen, die Tochter eines Priesters des Apollon: Apollon hat wütend Vergeltung geübt und über die Griechen eine Seuche geschickt. Ein verstockter, sturer König, ein unsicherer Heerführer, gibt widerwillig auf Druck der anderen Befehlshaber dem Vater die Tochter zurück. Aber dann verlangt er Ersatz und nimmt die Sklavengeliebte von Achilleus, seinem tapfersten Helden. Achilleus ist über diesen Raub in den eigenen Reihen derart entrüstet, dass er nahe daran ist, den König, einen viel älteren Mann, zu töten. In letzter Minute zügelt er sich und zieht sich vom Kampfe zurück. Er betet zu seiner Mutter, der Göttin Thetis, für die Niederlage der eigenen Seite, dann setzt er sich in sein Zelt und spielt "Ruhmeslieder" während seine Freunde von den Troern niedergemacht wurden. Es folgt eine Série von Schlachten, deren Grausamkeit ohne Parallelen in unserer westlichen Literatur ist.
Wenn der ganze Inhalt lediglich das Heranreifen eines arroganten jungen Mannes wäre, könnte man denjenigen Recht geben, die die Ilias getrost in die Ecke feuern wollen. Aber so ist es eben nicht! Ein Zorn wie der von Achilleus kann nicht zum Schweigen gebracht werden. Wenn er einmal erwacht ist, nimmt er eine neue Grausamkeit an, die Grausamkeit des Gedankens: die Fragen, die Achilleus über Krieg und Tod stellt, bleiben unbeantwortet, weil sie nicht beantwortet werden können. Die Ilias stellt ihr eigenes Ethos in Frage und wertet es sogar um - und am Ende fühlt man sich unbehaglich....
Konnte dies dasselbe Werk sein, dass von einigen Kritikern als bloße Verherrlichung des Krieges gegeißelt wurde? Als triumphale Schule für moderne Imperialisten und Chauvinisten, die eifrig bestrebt sind, ihre Hegemonie über
die physische und soziale Welt auszudehnen?
Achilleus weiß, dass er als Held unsterblich sein wird, doch ist er der einzige, der am Tod Maß nimmt. Am Ende des Epos sieht man ihn immer noch untröstlich und unversöhnlich rings um Troia wüten. Die Literaturgeschichte des Westens beginnt mit einem Helden, der die Natur der Zivilisation, wie sie damals konstituiert wurde, sowohl verkörpert als auch in Frage stellt.


Der hermeneutische Zirkel, so hat Dilthey es genannt...wir wissen nicht ,was wir mit den Einzelheiten tun müssen ,solange wir die Struktur nicht kennen. Gleichzeitig wissen wir nicht, was wir mit der Struktur tun sollen, solange wir die Einzelheiten nicht kennen. Schaut, wir sind erst seit einem halben Jahr zusammen. Wir müssen lesen.Es gibt aus egoistischen Gründen nichts Wichtigeres als gewisse philosoph. Texte zu lesen und sie im Forum zu besprechen. Vorort, online - gemeinsam mit anderen, die um diese Identität ringen!

best wishes

Temp=)
"Wir sind hier alle Individualisten. " - "Nein, ich nicht, ich bin der einzige, der kein Individualist ist. " (Das Leben des Brian)



TemporarySilent, 07.12.2004 19:36
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